Web 2.0 – Aus dem Leben einer Toten

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Web 2.0 – Aus dem Leben einer Toten

 (zu Ehren: Grand Duke of Büßgen) ff grand duke of Büßgen : Zappa : http://frankfutt.de/2012/04/09/congratulation-busgen/

 

 

01.05.2003 Mein Leben begann gerade erst, den Hauch eines Sinns zu erhalten: Nach dem Studium, wagte ich den Schritt in die Selbständigkeit als freie Journalistin via Internet.

 

Ich war im 5. Monat schwanger von einem Mann, den ich damals überdimensioniert liebte, war freiberuflich als Journalistin aktiv für diverse Magazine – alles hatte den Anschein, als ginge es mir gut! Ich freute mich auf das in mir wachsende neue Leben und stellte mein eigenes Leben quer – da ereilte mich mit einem Schlag und wortwörtlich jäh aus dem Leben gerissen unvorbereitet der Tod!

 

Am 1.5.2003 kam ich mit diffusen Schmerzen in das Aachener Klinikum – Diagnose: seltene Form der Schwangerschaftsvergiftung durch Morbus Moscovich. Ich entsinne mich der Aufnahme in das Klinikum der RWTH Aachen und sodann wurd´ alles schwarz um mich herum: ich starb!

 

Diese Phase des Todes, gezeichnet von diversen Absurditäten in nahezu psychotischer Form, schien endlos und ewig fortdauernd: Digitales, cerebrales Blitzgewitter sich windend in den Entitäten temporal-realistisch logischer Verquickungen. Diese Entitäten verzweigten sich zaghaft in die Realität…

Am 3. August 2007 wurde ich wach… wider jeglichen Erwartens – nach dreimaliger, zwischenzeitlicher Wiederbelebung, künstlicher Beatmung, täglicher Dialyse sowie mit einem externen Herzschrittmacher. Mein erster Gedanke war der meines Namens und wer ich denn sei: ich wusste es nicht! Mein Gedächtnis, mein Ich, war mir just geraubt worden… aber nur für ein paar Tage, hernach stellten sich Fragmente meines früheren Ichs wieder ein…

 

Sodann nach dem Aufwachen aus der Entitäten-Matrix wollte ich unverzüglich das Bett verlassen, um eine Zigarette zu rauchen. Die Sucht nach dem dampfenden Kraut war nach vier Jahren Entzug unendlich groß und nichts schien mir in diesem Moment erstrebenswerter, als die heißgeliebten Ströme zu inhalieren, wohl hoffend, mit ihnen einen Teil meines ehemaligen Lebens zurückzuerhalten.

Also riss ich alle Schläuche von mir ab, richtete mich auf und wollte aus dem Bett dem Qualmquarzgenuss hin entfleuchen. Meine Beine fühlten sich wie wabbernd Gelee an, ich fasste sie, setzte mich auf die Bettkante und hievte mich aus dem Krankenhausbett.

 

Prompt und flugs purzelten die Beine unter mir einfach weg – sie fühlten sich nicht nur wie wabbernd Brei an – sie waren es!

Es folgten lange Monate der REHA, bis ich wieder in meine Wohnung konnte, die mir dank Verwandter erhalten geblieben war.

 

Die Frage, die mir mit der Betrachtung meiner Umwelt zunehmend bohrender durch den Kopf schoss: Bin ich tot?

 

Immer wieder in Projektionen mit der Frage spielend, ob ich nicht doch tot sei, konstantierte ich meine Umwelt, denn theoretisch (existentialistische Theorien á la Sartre aufgreifend) könnte ich auch tot sein und in meiner persönlich projizierten “toten” Welt leben.

Woher soll ich beurteilen, ob ich lebe oder tot bin? Die Welt hat sich nach meinem Aufwachen komplett gerändert und geändert… 2003, da war von Social Media, Web 2.0, etc. noch nicht die Rede. Vielleicht erliege ich den Träumen des Dämons meiner eigenen Fiktion?

Und genau das weiß ich heute, 7 Jahre später immer noch nicht… Hat sich die Welt um mich herum derart geändert, dass ich in ihr schwimme wie eine Blase im Wasser surrend vor sich hinblubbt? Ohne zu erkennen, dass ich die Blase bin, die das Wasser verdrängt?

Nun, ich tendiere zu leicht antikonformistischen Handlungsweisen… das schon immer… Aber seit 2 Jahren vermehren sich diese teils absurden Reaktionen auf Reflexionen meiner eigengespiegelten Welt.. Deutet exakt diese Tatsache darauf hin, dass ich eigentlich tot bin.. schon lange, schon 100 Mal gestorben – tausende Male vergangen und wie ein düsterer Geist wiederauferstanden? Dass ich nichts weiter bin, als bis in die Entropie der Unendlichkeit verwursteter “Content” – welcher (generativen) Art auch immer? Von daher bleibe ich auch immer – welch grausige Vorstellung, welch fanatisch-frenetische Fiktion!!!

Mögen die Bilder dieser Vision dem Koma entstammen? War das Koma mit seinen diffusen Wertigkeiten und “Welten” Realität und dieses Leben nur “augmentierte Realität des Todes”?

Was sah ich und wie sah ich “die Welt” im Koma?

Fragmentierte Rudimente realen Scheins in digitaler “Sichtweise” waren die komatösen Visionen! Die Welt war in einem Rasterschema aufgebaut, das ich wahrnahm wie ein Scanner. Ich arbeitete bzw. “funktionierte” wie ein PC und nahm Schemata der Realität digital-fraktioniert wahr, vergleichbar mit einer “Matrix”. Diese digital gerasterte Matrix stellte meine Vision vom Leben dar – abzüglich des temporalen Elements der Zeit, die in Form eines Nahrungsschlauches durch meinen Körper floss. So wurde meine “Koma-Welt” zu einer abstrahierten Essenz meiner Realität in Entitäten, deren Verifikation ich in theoretischer Form abstrakt “nachschwingen” musste.

 

Aus dieser Theorie heraus entstand eine komplett neue Welt für mich, deren Verzweigungen nur mich betrafen. Ich fühlte mich wie auf einer Autobahn des Lebens, die ich in Überschallgeschwindigkeit zurücklegte. Meine verzerrte Wahrnehmung der anliegenden Umgebung an diese Autobahn konnte ich mit mit der digitalen Sichtweise regulieren und verlangsamen, so dass Überschall für mich Unendlichkeit bedeuten konnte. Letztlich wurde ich damit zum Piloten meiner eigenen Endlichkeit und hob sie auf damit.

Dass ich all dieses Wissen innehatte, aber nicht aktiv außerhalb der komatösen Visionen anwendend könnte, war mir nicht bewusst. Ich reflektierte darüber, durch die Zeit meinem früheres Leben zu begegnen, aber fand den rechten Weg nicht.

Ich war gefangen in den Äonen meiner eigenen Visionen – abgeschnitten vom Puls jeglicher Vitalität.

 

Meine Verzweigung in die jeweilige Realität bestand via meiner komatösen Träume, die mein eigenes universelles Weltverständnis projizierten. In diesem Koma-Universum war jegliche Materie obsolet – sie war lediglich die Plazenta meiner Gedankenströme. Diese in Synapsenfetzen vertändelten Ströme gaukelten mir eine stilisiert-technoartifizerte Musterumgebung vor, in der ich frei wandeln konnte, so dass meine Gedanken die Plattform dazu bildeten. Ich war der unwiederbringlichen Hoffnung, den gedankengeschwängerten Ausgang zu kennen – nur wo war dieser Ausgang in die Realität? Nichtsdestotrotz erlabte ich mich meiner Diversifikationsmöglichkeiten…

In Love: Grand Duke of Büßgen

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Über sabine puttins

Weißt Du, geliebter Dämon, dass ich eine fiese Kröte bin, die sich von
Echsenschleim ernährt? Dass ich ständig auf der Suche nach frischem
Natternblut bin und dann noch den Anspruch stelle, es möge Deine –
Gramborns – ureigenste Lust darin stecken?

Dämon, ich nenne Dich nun Gramborn, seit ich den ersten Schmerz meines Lebens erfuhr – und der war das helle und schmerzhafte Licht, das ich erblickte, als mich eine fette Hebamme von der Nabelschnur meiner Erzeugerin riss. Nichts – kein Schmerz in meinem Leben – verursachte derartige Pein wie dieses Reißen und Absäbeln von einem anderen Menschen. Ich wehrte mich, ich wollte nicht in die grauenvolle Welt, in der mich nur Leid erwartete. Wohl wusste ich genau, dass diesem Trennungsschmerz viele weitere folgen würden: das gesamte, grässliche Leben würde eine Abfolge…….
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Ich wollte nicht raus aus meiner Wasserwelt, weigerte mich strikt, mich von dort auch nur einen Millimeter zu rühren. Aber die fette Hebamme kannte keine Gnade, zog und zerrte an mir, als meine Erzeugerin mich hinauskatapultierte in all die Grausamkeiten. Sie zerrte derart an mir, dass mein Sträuben keinen Erfolg hatte, riss mich in das Licht und von der Nabelschnur. Zur Strafe meines Ungehorsams und meiner Vehemenz, nicht weichen zu wollen, schlug sie mir derb auf mein Hinterteil. Ich war über und über mit Blut besudelt. Soviel Blut um mich herum erlebte ich später nur noch ein einziges Mal: Als mich unter eine Theke duckte, um einem 9-mm-Dumm-Dumm-Geschoß zu entgehen. Das Geschoss traf den Rocker mit der Hell´s-Angels-Kutte hinter mir und zersplitterte seinen Schädel derart, dass Fetzen seines Hirns sich mit Resten halbleerer Biergläser in der Spüle vermischten und andere (weniger wichtige Hirnareale?) auf mein T-Shirt spritzten. Jedenfalls hatte ich von dieser „körperlich-geistigen Vereinigung
“ keinen Nutzen, außer den, dass ich nicht getroffen wurde.

Das Blut quoll aus der zerrissenen Nabelschnur und Blut war der erste Geschmack, den ich empfand. Dieser Geschmack sollte der meines Lebens werden, er begleitete mich, er ließ mich nach meinem Dämon und Natternblut lechzen, nach nie erfüllbaren Wünschen, die sich damals manifestierten.

Vor Angst über all dieses verschmierte Blut in mir und um mich herum, blieb mir nichts anderes übrig, als einen qualvollen, lauten Schrei von mir zu geben, der die Schreie des Kreißsaales lauthals übertönte. Mein Schrei erschütterte die Manifeste des Krankenhauses und einen kurzen Augenblick lang stand die Zeit still. Ich dachte, naiv, wie ich war, ich könnte sie für ewig anhalten, allem Einhalt gebieten und mir und der Welt das Leid ersparen, aber es gelang mir nur für einen Pico-Bruchteil einer Zeiteinheit – danach war es um mich geschehen!

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Ein Kommentar zu Web 2.0 – Aus dem Leben einer Toten

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