Leben auf Schmalspur

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Was kann ein Mensch an Leid und Arg maximal ertragen? Das mag individuell verschieden sein und von der Ausgangssituation abhängen…

So existiert meine beste Freundin, die ich seit über 25 Jahren kenne, derzeit am absoluten Rand der Gesellschaft und unter den schlimmsten, vorstellbaren Bedingungen. Aber sie existiert: seit 5 Jahren HIV-positiv mit Grundsicherungsrente am absoluten Existenzminimum durchwühlt sie heute Mülltonnen, um nach Verwertbaren zu suchen, wird z.B. dabei aufgegriffen und erhält deswegen eine Anzeige, auf die erneute, für sie untragbare Kosten folgen. Aus Fahrlässigkeit brannte durch ihre Schuld (Heizlüfter fing Feuer in Wäsche) ein komplettes Wohnhaus nieder und jetzt erwartet sie ein Prozess wegen fahrlässiger Brandstiftung mit Haftstrafe von mindestens einem Jahr.

Wieviel Leid muss man tragen können, wieviel ist zumutbar und wieviel davon ist irgendwie gerechtfertigt?
Für mich persönlich ist meine Grenze bereits mit kürzlichem Führerscheinentzug erreicht, was mich quasi unbeweglich macht, da ich seit über 15 Jahren mit einem unbehandelten Mittelfußknochenbruch herumlaufe (jedoch nicht weiter als 1-2 km) und so immer auf Auto angewiesen war.

Dazu gesellte sich kurz zuvor die Trennung von meiner großen Lebensliebe der letzten 5 Jahren, die 100 % die glücklichsten meines gesamten Lebens waren und in denen ich rundum zufrieden war. Die Quittung für meine 5 glücklichsten Jahre kommt jedoch postwendend mit Entzug des Führerscheins und anderen Querelen:

Ein (geschätzter) Steuerbescheid, dessen Höhe meine gesamten Einnahmen bei weitem übersteigt und ein Haftbefehl wegen 5 nicht bezahlter Park-Knollen zu je 29,50 Euro gesellen sich dazu. Die Knollen wurden zwar unverzüglich bezahlt, jedoch vom Amtsschimmel wiehernd zurückgebucht, da die Referenznummern (wie angegeben) auf eine reduziert wurden, jedoch die Buchungen nicht. So stand dann die Polizei vor der Tür und wollte mich mitnehmen, da ich nicht ausreichend Bargeld hatte, um die Knollen (nochmal) zu zahlen. Die Rückbuchung erfolgte auch nur (amtsgerecht) virtuell und nicht faktisch. Also: Geld geliehen und nochmal das Ganze (auf die einzige verzeichnete Nummer) überwiesen, was nun wohl auch wieder „virtuell“ zurückgebucht wird und als nicht bezahlt gilt… Da wird der Amtsschimmel mit Polizeigewalt dann wohl bald nochmal kräftig zutreten…

Aus Mangel an Versorgungsmöglichkeiten an meinem bisherigen Wohnort (ohne Auto – Supermarkt 5 km entfernt, Bushalte 2-3 km entfernt) musste ich dann allerkurzfristigst umziehen: zu meiner 82-jährigen Tante, die absolut isoliert und weltfremd in einer Großstadt wohnt.

Ich wohne jetzt bei ihr im offenen Dachgeschoss und sie kann alles, was ich tue, hören – ich habe KEINERLEI eigenen und selbständigen Bereich und die Tante, die völlig isoliert und zurückgezogen – fernab irgendwelcher Kontakte ohne Zeitung oder Fernsehen – gewährt nur sehr selten etwa ein Mal im Jahr Frauen aus dem Kirchenkreis, die allesamt weit über 70 Jahre alt sind und dem Pfarrer Zutritt zu ihrem Haus.
Alles in allem ein teils recht grauslicher Zustand mit der Tante, die alles – trotz ihres hohen Alters – kontrolliert (von meiner Wäsche bis zur Post bis hin zum Portemonnaie und den Socken, des weiteren Kleidungsvorschriften, die dem vorletzten Jahrtausend entsprechen, stetige Hetztiraden über die „bösen Juden“ und die täglich mehrfachen Kriegsgeschichten in Endlos-Dauerschleifenwiederholung, etc…)

Zugegebenermaßen kocht sie vorzüglich und hat auch ihre netten Seiten, wie z. B. ihre Tierliebe oder ihre karitative Ader. Zudem bringt sie Verständnis für meine Tätigkeit als Texterin im Internet auf, so dass ich auch hier einen Internetanschluss legen lassen durfte. Des weiteren ist sie recht gebildet und sprachgewandt und – was mich betrifft – vielleicht auch toleranzadaptil (da ich seit Jahren der einzige Kontakt bin, den sie hat).

Allerdings sind sämtliche, neue Kontakte nahezu unmöglich, da ich einen Vorwand finden müsste, das Haus zu verlassen, was auch schon äußerst schwierig ist, da rund um die Haustür eine Metallgitter wie ein Käfig konstruiert ist, zu dem nur sie (bisher) einen Schlüssel hat.

Wenn das Dasein nur aus Jammer, Qual und Pein besteht, sollte man es beenden können: Tiere werden eingeschläfert in diesen Fällen…
Menschen müssen da selber Hand anlegen…

Einen (einzigen) Selbstmordversuch habe ich mit 15 (nach und wegen einer Vergewaltigung) ganz knapp überlebt… besser wäre es mir damals gelungen – das hätte mir viel Leid (wohl auch Freud) erspart….[immer diese dubiosen Anspielungen auf „Siggi“ ;- ]

#Hach… bin jezz richtig depri – ist sonst nicht meine Art… aber die Umstände erlauben manchmal nur noch Tränen…

Was tun? Das Beste aus der Situation? Gegen die Tante mit Nachdruck eigene Rechte durchsetzen? Versuche ich seit einer Woche mit mäßigem Erfolg, aber mit Erfolg.

Den „Ignore-Button“ bei ihrer ständig sich wiederholenden Juden- und Ausländerhetze drücken?

Versuche, die Tante zu “bekehren”, dass man z.B. praktischerhalber einen Staubsauger verwendet, statt 140 qm Wohnfläche mühsam mit Bürste und Kehrer aufzukehren oder die 14 Überweisungen mit der Hand zu schreiben, statt mit Schreibmaschine in 10-12 Stunden (da hohe Vertipperrate), sind relativ vergeblich… “laissez-faire” – kann man dann nur sagen ~> Beschäftigungstherapie…

Über sabine puttins

Weißt Du, geliebter Dämon, dass ich eine fiese Kröte bin, die sich von Echsenschleim ernährt? Dass ich ständig auf der Suche nach frischem Natternblut bin und dann noch den Anspruch stelle, es möge Deine - Gramborns - ureigenste Lust darin stecken? Dämon, ich nenne Dich nun Gramborn, seit ich den ersten Schmerz meines Lebens erfuhr - und der war das helle und schmerzhafte Licht, das ich erblickte, als mich eine fette Hebamme von der Nabelschnur meiner Erzeugerin riss. Nichts - kein Schmerz in meinem Leben - verursachte derartige Pein wie dieses Reißen und Absäbeln von einem anderen Menschen. Ich wehrte mich, ich wollte nicht in die grauenvolle Welt, in der mich nur Leid erwartete. Wohl wusste ich genau, dass diesem Trennungsschmerz viele weitere folgen würden: das gesamte, grässliche Leben würde eine Abfolge....... . . . Ich wollte nicht raus aus meiner Wasserwelt, weigerte mich strikt, mich von dort auch nur einen Millimeter zu rühren. Aber die fette Hebamme kannte keine Gnade, zog und zerrte an mir, als meine Erzeugerin mich hinauskatapultierte in all die Grausamkeiten. Sie zerrte derart an mir, dass mein Sträuben keinen Erfolg hatte, riss mich in das Licht und von der Nabelschnur. Zur Strafe meines Ungehorsams und meiner Vehemenz, nicht weichen zu wollen, schlug sie mir derb auf mein Hinterteil. Ich war über und über mit Blut besudelt. Soviel Blut um mich herum erlebte ich später nur noch ein einziges Mal: Als mich unter eine Theke duckte, um einem 9-mm-Dumm-Dumm-Geschoß zu entgehen. Das Geschoss traf den Rocker mit der Hell´s-Angels-Kutte hinter mir und zersplitterte seinen Schädel derart, dass Fetzen seines Hirns sich mit Resten halbleerer Biergläser in der Spüle vermischten und andere (weniger wichtige Hirnareale?) auf mein T-Shirt spritzten. Jedenfalls hatte ich von dieser „körperlich-geistigen Vereinigung “ keinen Nutzen, außer den, dass ich nicht getroffen wurde. Das Blut quoll aus der zerrissenen Nabelschnur und Blut war der erste Geschmack, den ich empfand. Dieser Geschmack sollte der meines Lebens werden, er begleitete mich, er ließ mich nach meinem Dämon und Natternblut lechzen, nach nie erfüllbaren Wünschen, die sich damals manifestierten. Vor Angst über all dieses verschmierte Blut in mir und um mich herum, blieb mir nichts anderes übrig, als einen qualvollen, lauten Schrei von mir zu geben, der die Schreie des Kreißsaales lauthals übertönte. Mein Schrei erschütterte die Manifeste des Krankenhauses und einen kurzen Augenblick lang stand die Zeit still. Ich dachte, naiv, wie ich war, ich könnte sie für ewig anhalten, allem Einhalt gebieten und mir und der Welt das Leid ersparen, aber es gelang mir nur für einen Pico-Bruchteil einer Zeiteinheit - danach war es um mich geschehen!
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4 Antworten zu Leben auf Schmalspur

  1. Günther Krier sagt:

    „Jeder Mensch ist seines eigenen Glückes Schmied“ – aber was ist, wenn man keinen Sinn für das Schmieden persönlichen Lebensglücks hat und sich in die Abhängigkeit eines anderen Menschen begibt, dessen Lebensphilosophie der eigenen jeglichen vitalen Klangkörper entzieht? Dann werden halt die ureigenen Bedürfnisse an die Kette gelegt, bis man diese als solche nicht mehr wahrnimmt und sich stattdessen in sein Schicksal fügt.

    • sputtins sagt:

      Salve, Günni!

      Dagegen wehre ich mich ja beständig und mit Teilerfolgen… so erhielt ich auch jetzt einen Schlüssel für den „Käfig und die Haustür“ und kann theoretisch das Haus verlassen, wann ich will…

      Alternative ist halt der Tod, der rennt nicht davon und ist leicht und schnell einzuholen…vom vielen Laufen (statt Autofahren) schmerzt mein Fuß jetzt auch ständig und ich humple nur im Haus herum… wie soll ich in diesem Zustand bitte z.B. zu Fuß zum Amt und theoretisch Hartz-IV beantragen, was ich dann aufgrund meiner Einnahmen gar nicht gewährt bekäme, obwohl diese Einnahmen seit 4 Wochen = 0 sind…?

      Als mögliche Alternative sehe ich immer irgendwie „Berlin“, aber auch da müsste ich erstmal hin (Zug kostet Geld)…

      Greetz
      Sabine

  2. Henry sagt:

    „Versuche, die Tante zu “bekehren”, dass man z.B. praktischerhalber einen Staubsauger verwendet, statt 140 qm Wohnfläche mühsam mit Bürste und Kehrer aufzukehren oder die 14 Überweisungen mit der Hand zu schreiben, statt mit Schreibmaschine in 10-12 Stunden (da hohe Vertipperrate), sind relativ vergeblich… “laissez-faire” – kann man dann nur sagen ~> Beschäftigungstherapie…“

    Ich weiss ja nicht wie alt Deine Tante ist, aber solche Verhaltungsweisen sind mir nicht fremd. Das machen meistens Menschen die in Rente sind oder sonst nicht wissen wie der Tag rumgeht. Das gibt ihrem Leben eine gewisse Struktur. Es ist also für diese Menschen normal.

    • sputtins sagt:

      Salve, „Schmitti“!

      Ja… sich das Dasein so kompliziert wie möglich zu gestalten, um „etwas zu tun“, erscheint mir auch ein einsichtiger Grund…Sie ist 82, geistig aber noch sehr rege und keineswegs dement und könnte m.E. ihre Zeit besser „vertrödeln“…

      Vor einigen Jahren hat sie sogar mal einen Internetkurs für Senioren belegt… aber ich zweifele, dass ich sie heute dafür nochmal begeistern könnte. Ein Versuch wäre es vll. wert…?

      Und die Hetze auf „alles Fremde“ sitzt (politisch bedingt) so tief, dass die nicht „auszutreiben“ ist…Da muss man einfach die Ohren vor verschließen… ich habe jezz mal ein paar (radikale) (links- und ausländerfreundliche) Parolen abgelassen und diese „Hetze“ läßt scheinbar auch nach, da sie bei mir damit auf Widerstand trifft…

      Insgesamt muss ich mich wohl energischer durchsetzen und sie vll. zu Neuem motivieren (wie Internet oder Schreiben generell: soll sie doch ihre [wirklich schlimmen und für uns unvorstellbaren Kriegserlebsnisse mit Vergewaltigungen, Hunger, Bomben usw.] einfach der Nachwelt im Web hinterlassen – eine Schauspielerin (Name entfallen) berichtete kürzlich in einer Talk-Sendung im ZDF über ähnliche Kriegserlebnisse – und ich dachte, ich höre meine Tante im Originalton…
      Junge Redakteure und in Medien Tätige interessierten sich für ihre Schilderungen, die denen meiner Tante 1:1 gleichen…

      Wie sonst sollte man derart eingefahrene Verhaltensweisen durchbrechen? Indem man „neue Inhalte – Lebensinhalte“ schafft, oder?

      Greetz
      Sabine

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